Rumänische Folklore in Wiener Verlagen um 1850

Titelseite färbig l'echo de la valachie 1852

Autorin: Dr. Haiganuş PREDA-SCHIMEK

Finanzierung: Stadt Wien Kultur (Forschungsförderung)

Laufzeit: August 2020 — März 2021


Folgeprojekte:

Multiregionale Musik im H.F. Müller Verlag Die Wachmann-Sammlung: erste Gesamtaufnahme

Das Forschungsprojekt stellt die erste umfassende, in einem Verlag von internationaler Reichweite veröffentlichte Sammlung rumänischer Volksmusik in den Mittelpunkt. Die Publikation wird im historischen Kontext der mitteleuropäischen kreativen Wirtschaft und des zunehmenden Musikmarktes in der Walachei untersucht.

Musiker auf Tour in Bukarest wie Johann Strauß-Sohn oder Leopold von Mayer nutzten populäre Lieder in ihrer Marketingstrategie. Sie wandelten Volksmusik in publikumswirksame Salonmusik wie Quadrillen und Variationen um, Melodien wanderten von einem Stück zum anderen. Auch Verleger schienen erkannt zu haben, dass in Schlagwörtern wie „national“ und „exotisch“ Verkaufspotenzial für das Salonpublikum steckt.

Autor der Sammlung war Johann Andreas Wachmann (*Pest, 1807; †Bukarest, 1863), sein Werk erschien zwischen 1846 und ca. 1858 in vier Heften im H. F. Müller Verlag (nach Müllers Tod in den Nachfolgerverlagen H.F. Müllers Witwe und Wessely & Büsing). Wachmann wählte insgesamt zweiundsechzig Melodien, adaptierte die Tänze am Walzer-Rhythmus und die urbanen Lieder an modischen Romanzen. Auch heroische Balladen und patriotische Gesänge (ohne Text) schlüpften in seine Hefte hinein.

Etwa ein Drittel der von Heinrich Friedrich Müller (*Hannover, 1779; †Wien, 1848) veröffentlichten Musikalien bestand aus regionalbezogener Musik. Die Untersuchung kommerzieller Aspekte (grafische Gestaltung, Vertrieb und Preise) offenbarte die Produktqualität sowie die professionellen, international verzweigten, auf tradierten Erfahrungen im Kunstdruck und Handel beruhenden Beziehungen des Verlegers. So wurden die Volksmelodien dem Mittelstand zugänglich: in qualitätsvoll gestalteten, innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen zu Durchschnittspreisen erwerblichen Heften. Wien als Zentrum des Notendrucks, der Ballkultur und der Klaviermanufaktur stellte einen Knotenpunkt der Produktions- und Distributionskette dar.

Vor diesem gattungsspezifischen Hintergrund erweist sich die Sammlung als Resultat eines grenzüberschreitenden Prozesses kultureller Rezeption und Interaktion. Ebenso weist die Übertragung der Melodien von einer Gattung zur anderen bzw. ihr „Recycling“ auf ein wachsendes wirtschaftliches Interesse für traditionelle Musik verschiedenster Provenienz hin. Zudem konnte eine steigende Aufmerksamkeit für damals wenig bekannte (südosteuropäische, balkanische) Regionen festgestellt werden.

Publikationen

The Economic Network around Folk Music. Romanian Folklore in the Inventory of Viennese Publisher H.F. Müller (ca. 1850), Beitrag zur internationalen Tagung “Financing Music in Europe from the 18th to the Early 20th Century”, Centro Studi Opera Omnia Luigi Boccherini of Lucca, Palazzetto Bru Zane – Centre de musique romantique française, Venice, Complesso Monumentale di San Micheletto, Lucca (16. - 18. Oktober 2020).

Creative and Economic Networks: a Case Study on Romanian Folk Music Published in Vienna around 1850. In: Etienne Jardin (Hg.), “Financing Music in Europe from the 18th to the Early 20th Century”, Reihe ‘Speculum Musicae’ (Brepols: Turnhout, voraussichtlich 2022).

Interview für Radio România Muzical:
www.romania-muzical.ro, en.romania-muzical.ro

»Folclorul valah şi industriile creative vieneze«, Observator cultural Nr. 1060, 27.04.2021, www.observatorcultural.ro